3:2! Deutschland schlägt die Niederlande spät und sorgt für Ruhe

Es hatte schon etwas Erlösendes als der spanische Schiedsrichter Jesus Gil Manzano in der Johann Crujff ArenA den Schlusspfiff ertönen ließ und klar war, dass der späte Treffer von Nico Schulz tatsächlich gleichbedeutend mit dem Sieg sein sollte. Das lag dabei nicht nur darin begründet, dass eine 2:0-Führung gegen die Niederlande fast schon wieder nicht gereicht hätte, sondern vor allem auch daran, dass man sich durch den 3:2-Sieg nun auch wieder etwas Ruhe verschafft hat – eben auch für Bundestrainer Löw.

Die Freude stand allen Beteiligten nach dem Spiel sichtlich ins Gesicht geschrieben, doch auch die Erschöpfung war erkennbar. Schließlich lieferten sich die Niederlande und Deutschland am Sonntagabend einen erbittern Kampf über 92 Minuten. Jogi Löw musste dabei erst einmal ohne Marco Reus starten, der schon zwei Tage zuvor über Oberschenkelprobleme zu klagen hatte und zunächst auf der Bank zuschauen musste.

Der Gastgeber startete furios und kam schon kurz nach dem Anpfiff zu einer großen Gelegenheit. Das Team von Jogi Löw ging allerdings mit einer breiten Brust in die Partie. Nach einer Viertelstunde sollte diese dann noch breiter werden: De Ligt rutscht im Strafraum unglücklich aus, wodurch Schulz nur noch wenig Mühe hat Leroy Sané zu bedienen, der wiederum das 1:0 für die Deutschen zu markieren wusste.

Deutschland tat sich immer wieder mit dem hohen und aggressiven Pressing der Elftal schwer, wodurch die Gäste immer wieder zu Fehlern im Spielaufbau gezwungen wurden. In der 25. und 27. Minute kam das Team von Ronald Koeman dann zu zwei absoluten Hochkarätern aus kürzester Distanz, doch Manuel Neuer stellte seine ganze Klasse unter Beweis und verhinderte mit zwei Weltklasseparaden den Ausgleich.

Wenig später folgte dann dafür aber sogar das 2:0. Ein Steilpass von Antonio Rüdiger schickte Serge Gnabry auf die Reise, der im 1-gegen-1 Virgil Van Dijk stehen ließ und an der linken Strafraumkante nach innen zog. Dann fasste sich der Offensivspieler ein Herz und zog ab. Der Ball flog mit Wucht und Präzision in den rechten Winkel – ein echtes Traumtor. Sané ließ dann kurz vor der Pause noch die große Chance zum 3:0 liegen und hielt die Niederlande für den zweiten Durchgang somit noch im Spiel.

Niederlande im zweiten Durchgang wie ausgewechselt

In der Kabine der Niederlande soll es in der Halbzeitpause ordentlich gekracht haben. Oranje spielte im zweiten Durchgang nun mit viel Wucht und noch zielstrebiger nach vorne. Dann passierte das, was eigentlich nicht passieren durfte. Eine scharf hereingezogene Flanke von Depay nutzt der einlaufende de Ligt per Kopf zum 1:2-Anschlusstreffer (48.). Fortan spielten im zweiten Durchgang eigentlich nur noch die Hausherren. Entlastung gab es für Deutschland fast nicht mehr.

Die Folge: Nach etwas mehr als einer Stunde legt Wijnaldum im Strafraum auf Depay ab, der wiederum Manuel Neuer mit einem Schuss ins untere Ecke keine Chance lässt und die Uhr wieder auf null stellt.

Löws Wechsel funktionieren

Nun wechselte auch Löw, brauchte in der 70. Spielminute erst Gündogan, um dem Spiel wieder mehr Stabilität zu verleihen und kurz vor Schluss dann doch noch den angeschlagenen Reus (86.). Der erste richtige Angriff in der zweiten Spielhälfte fand durch das Team von Jogi Löw eigentlich erst in der 90. Spielminute statt und wurde dann durch die beiden eingewechselten Spieler eingeleitet. Reus hat mit seinem Laufweg eine geniale Idee, wird von Gündogan bedient und kann in den Strafraum laufen, dort legt er mit viel Übersicht auf den freistehenden Schulz zurück, der dann tatsächlich noch den 3:2-Siegtreffer erzielen kann und für grenzenlosen Jubel sorgt.

Weiter geht es für die DFB-Auswahl in der EM-Quali nun erst am 8. Juni (20:45 Uhr). Dann trifft Deutschland in Baryssau auf Weißrussland. Bis dahin darf man durch den Sieg über die Niederlande nun wieder etwas ruhiger arbeiten.